Für eine Nacht voller Seligkeit
Wir erinnern uns an die letzte Session, als Isadora von Warmalschön nach einem jahrhunderte-langen Schlaf in einem Märchenschloss in Ungarn wiedererwachte und ihren holden Prinzen erblickte. Als dieser jedoch bar ihrer vergangenen Schönheit nur angewidert Notiz von ihr nahm und sich einem holden Jüngling zuwandte, schwor Isadora Rache und schmiedete große Pläne.
Vor lauter Trauer wieder einmal nicht schlafen könnend, stieß Isadora bei einem ihrer nächtlichen Rundgänge durch das Märchenschloss auf eine verlassene Kammer. In dieser Kammer fand sie einen Zauberspiegel und einen Tiegel wundersamer Creme. Isadora schaute sich beides an; etwas irritiert und doch interessiert.
Plötzlich sprach der Spiegel zu ihr: “Na lecker Mädche. All jod? Mmh, der Lack is’ wohl ab!? Mäht nix. Häst ja mich. Nimm mal de Cremepott un schmier amol wat rum. Dat weed schon helfe. Wirst sinn. Hat schon janz annere zum Tanze jebracht…”
Tanzen? Ist der Spiegel jeck? Isadora war mehr als verwirrt. Doch bei ihrer mittlerweile etwas verwitterten Haut, konnte die Creme wohl nicht schaden. Und sie trug sie auf. Es brodelte, es zischte, es knallte! “Was hab ich nur getan?”, rief sie entsetzt. Und peng, plötzlich sah sie aus wie Rolanda Bökk, die verstoßene Stieftochter eines ehemaligen Revue-Stars.
Nicht, dass sie jetzt besser aussah, doch sie verspürte plötzlich so ein Jucken in den Beinen. All ihre Wut und Trauer über den Prinzen waren vergessen. Sie wollte nur noch Tanzen. Von Rache keine Spur mehr. War es das, was der Spiegel ihr sagen wollte? Nun, ihr Aussehen war ihr zumindest mittlerweile egal. “Schönheit ist eh vergänglich”, dachte sie sich und machte sich daran, ihre Sachen zu packen. Denn nichts wie fort von diesem schrecklichen Ort in den Karpaten.
Mit Sack und Pack, was eine Dame von Welt ja auch alles so braucht, landete sie schließlich in einem kleinen Theater in Gödöllő, wo sie ihr Glück versuchen wollte, was ihr allerdings zunächst nicht sehr zugetan war. Doch sie traf dort auf die Rosa Funken. Diese gaben mal wieder eines ihrer kleinen Gastspiele zum Besten – wenn auch in Ungarn, einem nicht allzu karnevalsbegeisterten Ort. Doch die Funken feierten hier einst große Erfolge.
“Interessant”, sagte sie sich, “und fesch noch dazu”. Und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Denn sie erkannte in einem der Funken ihren verlorenen Prinzen wieder. Aber sie grämte sich nicht weiter, sondern erinnerte sich an den Spaß, den sie mit der ganzen Truppe letztlich hatte.
Auch bei den Rosa Funken geschah etwas. Sie waren doch sehr angetan von dieser hippeligen, leicht exaltierten Gestalt, die auf sie zutrat. Allerdings erkannten sie sie nicht. Sie schauten sich an, schwiegen und lächelten. Denn Rolanda rief plötzlich: “Drum sag ich, tanzt für mich…”. Das war ganz nach dem Geschmack der Funken. Tanzen und feiern, so soll es sein…
Für die Rosa Funken ist von diesem Moment an klar, dass sie in Rolanda einen neuen Freund gefunden haben. Sie fordern sie tanzend und singend auf, sich ihnen anzuschließen. Und sie denkt sich, warum nicht. Nichts kann schlimmer sein, als dieses schreckliche Land mit diesem verwunschenen Ort.
So macht sich Rolanda mit den Funken auf den langen Weg nach Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sie ahnt, dass sie dort zusammen mit ihren neuen Freunden ihr Glück finden wird. Ihr ist aber auch klar, dass dies eine Reise um die Welt bedeutet. Lang und entbehrlich. Doch wenn sie diesen beschwerlichen Weg auf sich nehmen muss, dann soll es so sein. Und so reisen sie und diese wunderlichen rosa Gestalten schließlich nach Rotterdam in Holland, wo ihre Überfahrt auf hoher See beginnen soll.
Rolanda und die Rosa Funken haben allerdings kaum Geld. Außer der Freude, den Übermut und einer gehörigen Portion Hoffnung besitzt diese illustre Truppe nicht viel. Es reicht gerade mal für eine Überfahrt nach Kuba in der vierten Klasse. Bei Rolanda kommen Zweifel auf, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Auch der Liebeskummer und der Kummer über die Stiefmutter plagt sie wieder einmal. Doch von Kuba aus soll es dann schließlich weiter nach Amerika gehen. Und so träumt sie an Deck mit ihrem Zauberspiegel, etwas melancholisch, aber doch frohen Mutes, von einer Nacht voller Seligkeit…
In Kuba angekommen lassen sich alle direkt von der Sonne, den Palmen und der ausgelassenen Stimmung dieses Landes anstecken. Sie beginnen sich den Rhythmen anzupassen und beginnen zu tanzen, was das Zeug hält. Rolanda begreift endlich, was für sie von Wichtigkeit ist. Sie muss alles hinter sich lassen und von vorne beginnen. Es ist für sie der Aufbruch in eine neue Zeit.
Frisch gestärkt von der Sonne, der Musik und mächtig dunklem Rum, ziehen alle schließlich weiter, um ihr endgültiges Ziel New York zu erreichen. Sie wollen endlich gemeinsam auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Denn Rolanda erkennt, dass sie in den Rosa Funken wahre Freunde gefunden hat, die zu ihr halten, und die für sie da sind. Ihre Gedanken an Rache, Ruhm oder vergängliche Schönheit spielen keine Rolle mehr…
Rolanda und die Funken erreichen endlich New York und machen sich direkt auf den Weg zum Broadway. Und es ist als würde man auf sie warten, denn sie erspähen ein Theater mit einer großen Programmtafel, auf der ihr Name und der der Rosa Funken stand. Das ist es also, was der Spiegel ihr sagen wollte: wahre Freundschaft ist wichtiger als alles andere! Und wahre Freunde hat sie ja nun gefunden…
Epilog: Was auch immer einige Cremes und anderen Kosmetika beinhalten, eines haben wir dank Homocenta gelernt – Wahre Freundschaft bedarf keiner Schönheit. Auch wenn die Creme schließlich dazu führte, dass Isadora bzw. Rolanda ihr wahres Gesicht zeigen musste, sehen wir, dass man auch anders Spaß haben kann!